Mayday Anthems 1992-1999
Kein Rave der 90er war bekannter als die Mayday in Dortmund. Jedes Jahr versammelte sich alles was Rang und Namen in der DJ Szene hatte zu diesen Grossevents. Zu jeder Mayday gab es eine Hymne (engl. anthem) von den Members of Mayday. Bis 1996 gab es noch zwei Mayday pro Jahr. Ab 1997 nur noch eine, in Dortmund.

Das hier ist eine Zeitreise durch die Cover und Tracks der Mayday Anthems von 1992 bis 1999.
1992 Anthem: The Mayday Anthem und Remixes
Die erste Mayday Anthem ist komplett Westbam zuzuschreiben. Sie enthält die ikonischen “Mayday” Rufe, aber klingt aus heutiger Sicht recht einfallslos und monoton. Die Remixe sind wesentlich besser zum Hören. Besonders der Force Mass Motion Remix hat es mir wegen seines britischen Rave Sounds angetan.

Das Cover schreit regelrecht nach den frühen 90er Jahren: Farbenfroh, ein bisschen psychedelisch und mit sehr hohem Wiedererkennungswert.

Das Cover der Remixes Maxi-CD ist leider das hässlichste aller Mayday Anthems.

Klappt man aber die Remix Maxi-CD auf, findet man sich auf einen alten Rave Flyer wieder. Die Innenseite ist damit viel schöner als das verwaschene Rot auf der Aussenseite.

Es gibt diese beiden Maxi-CDs in unterschiedlichen Varianten. Wenn man die Remixe plus das Original auf einer Scheibe haben möchte, ist die Pressung aus Frankreich die beste Wahl.
1993 Anthem: Judgement Day Trax
Mit The Judgement Day auf den The Judgement Day Trax im Jahr 1993 gab es die erste Mayday Anthem von den Members of Mayday. Im Vorjahr war noch Westbam allein für die Anthem verantwortlich. “Judgement Day” liefert ein hervorragendes Intro und danach solide stampfende Techno Kost, die man aus Deutschland erwartet.

Auf der Maxi-CD findet man aber auch noch zwei andere Tracks, die nicht von Members of Mayday stammen. Zum einen ein Remix der Mayday Anthem aus dem Vorjahr. Und zu anderen noch ein Track von PCP, der aber auch wie ein Remix der 1992 Mayday Anthem klingt.
Das Cover ist das Gegenteil vom Vorjahr. Das Mayday Logo prangert diesmal in gelb auf einem schwarzen Hintergrund.

Einmal aufgeklappt, landet man wieder auf einem alten Rave Flyer. Diesmal von der Mayday am 30.4.1993. Das sieht einfach richtig cool aus. Remixe gab es für diese Anthem keine.
1993 Anthem: Religion EP
1993 brachten uns die Members of Mayday die zweite Anthem als EP. “Religion” von den Members of Mayday ist musikalisch mein absoluter Favorit unter allen Anthems. Das Intro ist genauso episch wie das tiefe Bass Drum, das Fensterscheiben vibrieren lässt. Die Religion EP ist nur eine von zwei EPs, die von den Members of Mayday produziert worden ist.

Das Mayday Logo ist in bester 90er Tradition ein 3D Modell mit Reflexionen an den Seiten.

Das Mayday Logo findet sich auch nochmal direkt auf der CD.

Die Innenseite der Maxi-CD entspricht dem, wie man in den frühen 90ern Flüssigkeiten am Computer animiert hat. Die beiden anderen Tracks auf der Religion EP sind eher minimalistisch, aber eigenen sich hervorragend für Mix Sets.
1994 Anthem: Rave Olympia (Enter The Arena), Remixes und Live EP
Im Jahr 1994 produzierten die Members of Mayday die epischste aller Mayday Anthems. Rave Olympia (Enter the Arena) ist der Goldstandard der Mayday Anthems. Die Anthem ist an den Einmarsch von Gladiatoren ins Kolosseum angelehnt; mit Fanfaren, unvergleichlicher Melodie und extrem viel Energie.

Das Cover der Maxi-CD ist leider eher nichtssagend. Das vollständige Mayday Logo ist nur klein links unten zu finden. Ein Teil des Logos ist in verschmiertem Rot irgendwie in den Hintergrund verwoben. Diese Anthem hätte ein besseres Cover verdient.

Die Innenseite wirkt sehr sauber und aufgeräumt. Damit leider auch deutlich langweiliger als das Rave Flyer Layout der Vorjahre. Dafür haben es die Tracks auf der Maxi-CD in sich. Neben Rave Olympia versteckt sich hier ein Track, der zu meinen all-time Classics gehört: Endspurt.

Die obligatorische Remixes Maxi-CD fehlt 1994 nicht. Das Cover von Rave Olympia Remixes ist verstörend grün.

Die Innenseite der Maxi-CD ist noch deutlich schlimmer: ein verwaschenes grün mit einer kaum lesbaren Track Liste. Das ist auch nicht schlimm, denn nur der erste Remix “Enter The Arena (Westbam & Plutone Remix)” ist brauchbar. Den Rest kann man getrost vergessen.

Doch zum Glück bescherten uns die Members of Mayday nach der Mayday in Dortmund noch Rave Olympia Live. Das waren Live Mitschnitte von vier dort aufgelegten Tracks.

Wer sich schon immer gefragt, wie Raver in den 90ern abgegangen sind, wird hier fündig. Das Cover und auch die Innenseite setzen die Live Mitschnitte perfekt in Szene.

Die Aufnahmen fangen die schreienden und Trillerpfeifen nutzenden Massen ein. Es ist ein echtes Spektakel den Leuten live zuzuhören.
Als jemand, der in den 90ern bei vielen Raves dabei war, treiben einem die Mitschnitte schon wehmütige Tränen in die Augen. Es war genauso geil, wie man es hier bei den Live Aufnahmen hören kann.
1994 Anthem: We Are different, We Are Mayday
Die zweite Anthem aus dem Jahr 1994 war We Are Different. Und diese Anthem war in der Tat etwas different.
We Are Different ist im Vergleich zu den vorherigen Anthems deutlich entschleunigt. Es fehlt der bombastische Sound der vorangegangen Jahre. Gleichzeitig ist diese Anthem ein erster Vorgeschmack auf die Anthems der Folgejahre. We Are Different klingt weniger nach hartem Techno Sound, sondern hat mehr Elektro Elemente.

Das Cover der Maxi-CD geht wieder zurück zu den Wurzeln. Das Mayday Logo prangert als 3D Version in knalligem rot über fast die gesamte Fläche.

Auf der Innenseite ist das Rave Flyer Layout aus den Vorjahren zurückgekehrt. Alles wirkt etwas chaotisch, aber das Mayday Logo ist dort in strahlendem Geld gleich fünf Mal reingeballert worden.

Die Remixes von We Are Different sind auch als We Are Mayday bekannt. Das Cover der Remixes gehört zu den besten, die die Members of Mayday abgeliefert haben. Das Logo ist in 3D und orange. Und im Hintergrund sieht man einen prall gefüllten Dancefloor.

Die Innenseite ist cool und ganz anders als alles was vorher bei den Anthems abgeliefert wurde. Das Logo verwandelt sich in ein Stargate, das auf den Dancefloor zurast.
Die Remixes selbst sind bis auf einen Remix eher schwach. Der herausstehende “Q-Tex Remix” verwandelt die Original Version von We Are Different aber in etwas härteres mit viel mehr Techno Bumms und viel weniger Elektro.
1995 Anthem: The Bells Of Reformation, Remixes
Der erste Mayday Anthem des Jahres 1995 war The Bells Of Reformation. Es ist eine schnell stampfende Hymne mit einer etwas wirren Melody. Das Cover der Maxi-CD zeigt das Mayday Logo in seiner vollen Grösse. Die Farben im Logo sind ein fast psychodelischer Farbverlauf.

Die Innenseite der Maxi-CD zeigt das Logo als coole Lasershow. Ganz unten findet man die Tracklist. Neben der Radio Version und der langen Version von Bells Of Reformation findet man noch einen recht fürchterlichen ‘Elektronik Mix’ auf dieser Maxi-CD

Natürlich durften für diese Hynme die Remixes nicht fehlen. The Bells Of Reformation (Remixes) enthält drei Remixes. Alle drei sind deutlich besser als die Original Version dieser Hyme.

Das Cover der Remixes ist im Wesentlichen dasselbe wie von der Original Version. Die Farben des Mayday Logos sind einfach heller. Auch innen ähnelt die Remix Maxi-CD dem Original. Das grün ist einfach gegen ein blau getauscht worden. Leider wurde ab dieser Hymne auch auf den Stil des Rave Flyers verzichtet.

Spannend ist aber der Unterschied zwischen den CD Aufdrucken von Original und Remixes. Während man sich beim beim Original noch schön in der CD spiegeln konnte, wurde bei den Remixes einfach vollflächig bedruckt.

1995 Anthem: Great, Remixes
Great war die zweite Anthem im Jahr 1995. Es ist eine energiegeladene und sehr schnelle Hymne. Der zweite Titel auf der Maxi mit dem Titel “Wonderful” ist aber mein Lieblingstrack. Er ist schnell, treibend und minimalistisch. So klangen eben die 90er.
Das Cover der Maxi-CD sagt unmissverständlich “Mayday”, weil das grosse Logo unübersehbar in blau auf orange-farbigen Hintergrund prangert.

Die Innenseite der Maxi ist eher langweilig, aber der CD Druck selbst ist einfach nur cool. Ein schwarzes Logo mit Schriftzügen in orange funktioniert für mich immer.

Die Remixe von Great sind als The Great Remixes veröffentlicht worden. Beim Cover sind einfach nur die Farben vom Logo und Hintergrund getauscht worden, so dass wir jetzt ein orange-gelbes Logo auf blauem Hintergrund haben.

Die Innenseite der Remixes Maxi-CD strahlt mit pink auf violett. Eine sehr ungewöhnliche Kombination für die Members of Mayday Cover. Aber aus heutiger Sicht ist es richtig cool.

Die drei Remixe selbst sind allesamt hervorragend und besser als das Original. Ich persönlich bevorzuge den “Klark Teknik Remix”, der Great in einen blubbernden Elektro Track verwandelt.
1996 Anthem: The Day X
1996 läutete das Ende der knalligen Farben für die Cover der Mayday Anthems ein. Alles wird aufgeräumt und damit auch langweiliger. Das passiert nicht zufällig, denn ab 1996 verändern sich die Mayday Anthems merklich. Aufgeräumter Elektro Sound wird das Merkmal aller weiteren Anthems bis 1999.

Das Cover der The Day X Maxi-CD ist unspektakulär. Es ist schon fast langweilig.

Der CD Druck allerdings ist überzeugend mit zwei sehr gut kontrastierenden Farben.

Auf der Maxi-CD selbst ist neben der Original und der Radio Version von “The Day X” noch ein weiterer Track enthalten: Bass Line. Ähnlich wie die Anthem “The Day X” selbst ist auch dieser Track langweilig und uninspiriert.

Zusätzlich erschienen auch von dieser Anthem Remixes: The Day X Remix. Das Cover wurde von schwarz auf blau geändert. Und es prangert in riesigen Buchstaben das Wort Remix.

Von den drei Remixes auf der Maxi-CD sticht nur der von “Jon The Dentist” hervor. Er wirft den drögen Elektro Sound über Bord und macht einen Techno-Acid Track aus “The Day X”.
1996 Anthem: Live From Mars
Die zweite Anthem in 1996 war Live From Mars: ein knackiger und schneller Elektro Track. Die Anthem war Durchschnitt. Weder schlecht, noch sonderlich herausragend, aber besser als “The Day X”.

Das Cover war dem Titel angepasst. Ein grosses stilisiertes Foto aus der Perspektive eines Rovers auf der Oberfläche vom Mars. Das Mayday Logo ist aus den Oberflächenformen des Mars geschnitten.

Anstatt “Members of Mayday” ist hier “Members of Mars” zu sehen. Thematisch ist die Anthem an die Pathfinder Mission von 1996 angelehnt.
Remixe oder ähnliches gab es von dieser Mayday Anthem nicht.
1997 Anthem: Sonic Empire, Live
Ab 1997 gab es nur noch eine grosse Mayday pro Jahr. Deswegen gab es nur noch eine Anthem pro Jahr. Gleichzeitig war es das Jahr, in dem es von der Maxi-CD Seite kompliziert wurde. Es gibt unterschiedliche Pressungen derselben Maxi-CD mit unterschiedlichen Tracks.
Die deutsche Pressung von Sonic Empire enthält keinerlei Remixe. Hier findet man die lange Version und die Radio Version von Sonic Empire plus den Bonus Track “Easy Over”.

Auf dem Cover findet man das obligatorische Mayday Logo nur links oben in der Ecke. Der Grossteil des Covers ist einem Keyboard spielenden Roboter gewidmet.

Von innen sieht die Maxi-CD genauso aus wie von aussen. Es wurde legdglich eine Track Liste ergänzt.

Ähnlich wie im Jahr 1994 gab es auch von Sonic Empire eine Live Version Maxi-CD. Hier finden sich 1 Aufzeichnung direkt von der Mayday 1997, die leider von der Qualität eher unterirdisch ist.

Das innere der Maxi-CD ist ein schöner “Dankeschön” Schriftzug. Das ist nett, aber optisch eher unspektakulär. Der beste Track und auch der beste Remix von Sonic Empire ist Remix von “Three ‘N One”. Der befindet sich auf der britischen Pressung von Sonic Empire.
1998, 1999 und danach
Die Mayday Anthems haben bereits ab 1996 massiv in der Qualität nachgelassen. Eintöniger Elektro-Sound ohne wirkliche Innovation. Dasselbe galt auch für die Cover der Maxi-CDs, die langweilig und wenig inspiriert wirken.

1998 wurde “Save The Robots” veröffentlicht.

Und 1999 wurde “Soundtropolis” als die letzte Hymne der die 90er Jahre herausgebracht. Beide sind langweiliger und eintöniger Elektrosound, den man gern vergessen darf.

Bis 2001 habe ich die Mayday Anthems noch in meiner Sammlung zusammengetragen. Aber ehrlich gesagt, höre ich die Hymnen ab 1998 inzwischen gar nicht mehr.
Das ist nicht tragisch, denn das was in den ersten Jahren an Hymnen geschaffen worden ist, ist zeitlos. Ich kann mit einem breiten Grinsen “Religion EP” von 1993 in den CD-Player legen, das Cover bewundern und dem Kaffee im Kaffeebecher beim Vibrieren zuschauen. Das ist zeitloser und hammer-harter Techno.