Dividendendepot Jahr 1
Anfang 2024 habe ich ein Depot gestartet, das sich ausschliesslich auf Dividenden Werte konzentriert. Das erste Jahr hatte trotz viel Vorwissen eine hohe Lernkurve. Am Ende konnte ich mit 4.95% Rendite das Jahr abschliessen.
Dividenden statt Eigentum
Mit ziemlich genau Mitte 40 habe ich einen realistischen Blick auf die finalen zwei Jahrezehnte vor der offiziellen Rente geworfen. Eigentum könnte ich jetzt zwar erwerben, müsste dafür aber alle meiner besten Investitionen liquidieren. Das ist ein No-Go für mich, weil sich gerade jetzt die Investitionen der letzten 10 Jahre in Aktien, Gold und Krypto verselbständigen.
Dazu kommt, dass ich noch nie länger als 6 Jahre in einem Ort gelebt habe. Daher soll das Dividendendepot langfristig die Kosten für die Miete und - im Idealfall - auch die Krankenversicherung zahlen. Quasi als Gegengewicht zu dem fehlenden Eigentum.
Der ursprüngliche Plan zu Dividenden
Ende 2023 habe ich recht intensiv nach 3 Dividenden ETFs gesucht, deren Auszahlungen sich auf jeden Monat des Jahres verteilen lassen. Diese drei ETFs sollten zu je einem Drittel Gewichtung im Depot landen:
- iShares STOXX Global Select Dividend 100 UCITS (Januar, April, Juli, Oktober)
- SPDR S&P Global Dividend Aristocrats UCITS ETF (Februar, Mai, August, November)
- VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders UCITS ETF (März, Juni, September, Dezember)
Ein neuer Plan während der ersten Investitionsphase
Es gibt dieses schöne Zitat vom preußischen Militär: No plan survives first contact with the enemy. Nach den ersten Monaten aktiven Investierens und Lesen von guten Artikeln und Büchern, zeigte sich, dass ich viel zu kurz gedacht hatte.
Meine Strategie hatte sich ausschliesslich auf Large-Cap, also grosse Konzerne, und deren Dividenden konzentriert. Ich hatte ein ganze Reihe in Europa weniger bekannte Dividendenzahler übersehen.
Dividenden aus BDC, REIT, CEF, Covered Calls, Preferred Stocks
Im ersten Halbjahr 2024 beschäftigte ich mich mit dem Lesen von diversen sehr gut rechierten Artikeln bei seekingalpha.com, udemy Kursen zum besseren Verstehen der SEC Filings und zwei Büchern zum Thema Closed End Funds und Options Strategien.
Mitte 2024 war aus diesen gesammelten Informationen eine Liste der ersten BDC (Business Development Company), REIT (Real Estate Investment Trusts), CEF (Close End Funds), Covered Call ETFs, Preferred Stocks (Vorzugsaktien) ETF zur Erweiterung meines Depots zusammengestellt:
- PFFA Virtus InfraCap U.S. Preferred Stock ETF (Preferred Stock)
- SPYI Neos S&P 500(R) High Income ETF (Covered Call)
- GOF Guggenheim Strategic Opportunities Fund (CEF)
- Agree Realty (REIT)
- ABR Arbor Realty Trust, Inc. (REIT)
- Blue Owl Capital (BDC)
- Ares Capital (BDC)
- ASGI abrdn Global Infrastructure Income Fund (Infrastruktur)
Der Plan ist hier jeden dieser Werte auf rund 5% des Gesamtportfolios auszubauen. Damit habe ich ab der zweiten Hälfte 2024 begonnen.
Höhere Dividende, anderer Anlageschwerpunkt
BDC, REIT, CEF, Covered Calls und Preferred Stocks haben in der Regel mit 8-11% eine deutliche höhere Dividende als klassische Large Cap Konzern Aktien. Das hat bei BDC und REIT mit speziellen Regeln der amerikanischen Finanzaufsicht zu tun. Bei Covered Calls liegt es in der Natur der Sache, weil auf die Aktien von den Anbietern Optionen geschrieben werden. Bei Preferred Stocks, also Vorzugsaktien, ist die Ausschüttung immer etwas höher.
Der Nachteil ist definitiv die Konzentration auf den amerikanischen Markt. Aber ganz nüchtern betrachtet: Wenn der US-Markt kaputt geht, folgt der Rest der Welt. Aus meiner Sicht gibt es in unserer eng verzahnten Welt kein Entkommen.
Natürlich muss man immer einen Plan B zu Aktien haben, aber das ist für mich unabhängig von einer Diskussion über Aktienschwerpunkt USA oder nicht Nicht-USA.
Depotanbieter und Steuern
Ein zweiter potenzieller Nachteil bei einer Konzentration auf amerikanische Investments ist die Steuerdeklaration der amerikanischen Dividenden. Das ist zum Glück mit einem Schweizer Wohnsitz und einem Schweizer Broker ganz schnell abgefrühstückt. Ich habe mich aufgrund der Flexibilität bei Fremdwährungen und der Menge an verfügbaren Börsenplätzen für Swissquote als Broker entschieden.
Swissquote bietet jährlich für einen Preis von CHF 85.- einen eSteuerauszug aller meiner Depotwerte einschliesslich Dividenden. Das heisst, ich ziehe das PDF vom eSteuerauszug in meine Steuersoftware vom Kanton Zürich, und damit ist alles erledigt. Fast 100 Bewegungen von Käufen und Dividenden plus Depotgebühren als Ausgaben sind damit in wenigen Sekunden sauber deklariert.
Da Dividenden als zusätzliches Einkommen behandelt werden, werden sie zu meinem steuerbaren Einkommen hinzugerechnet. Daraus ergibt sich die effektive Steuer. Diese liegt bei mir weit unter der Kapitalertragssteuer in Deutschland. Die effektive Höhe der Steuern sehe ich, wenn die abschliessende Steuerrechnung für 2024 eintrudelt.
Der Plan für Jahr 2 des Dividendendepots
Die Grundidee ist die Large-Cap Anteile zu reduzieren. Ganz konkret wird der SPDR S&P Global Dividend Aristocrats UCITS ETF rausfliegen. Mit dem freiwerdenen Kapital werden weitere BDC, Covered Calls und CEF gekauft. Die Einzelwerte sollen auf 5% des Portofoliowerts gebracht bzw. gehalten werden.
Das Reinvestieren aller Dividenden wird fortgesetzt. Es sollten für 2025 Dividenden in Höhe von 2 Monatsmieten ausgeschüttet werden.
Warten auf die Rezession
Mit Trump als neuem US-Präsindenten sollte die nächste Rezession nicht lange auf sich warten lassen. Sein Plan von Zöllen, in einer wirtschaftlich so eng verzahnten Welt, wird hässliche Konsequenzen haben. Mit Blick auf meine Depots soll’s mir recht sein. Ich freue mich immer über fallende Kurse, weil man günstig einkaufen kann.
Natürlich bin ich extrem gespannt darauf, wie das Dividendendepot im Vergleich mit meinen normalem Welt-Schwerpunkt-USA Aktiendepot abschneidet. Vor allen Dingen, weil bei fallenden Kursen dieselben Dividenden mehr der Anteile kaufen können, die Dividenden erzeugen.