CD Sammlung vollständig
Nach über zehn Jahren des stetigen Sammelns ist meine CD-Sammlung endlich vollständig. Rund 200 CDs sind es geworden – das entspricht gestapelt einer Höhe von etwas mehr als zwei Metern. Ins Digitale übersetzt sind das rund 5.000 Einzeltracks, die ich von den CDs extrahiert habe.

Wie alles begann
Bevor ich zum „Warum“ komme, braucht es einen kurzen Ausflug zum Inhalt. Als ich vor zehn Jahren auf YouTube und Spotify nach 90er-Techno suchte, musste ich feststellen, dass viele Schätze im Streaming-Angebot fehlten.
Und was ich fand, war häufig die falsche Version. Mich interessieren selten die kurzen Radio-Edits, sondern die langen Versionen, in denen sich ein Track richtig aufbauen kann. Ebenfalls fehlten mir beim Streaming oft die richtigen Mixe – ein entscheidender Punkt bei klassischem Techno der 90er. Viele Tracks wurden von unterschiedlichen Producern geremixt; manche Remixe waren eher schwach, aber ein paar wenige waren schlicht überragend.
Warum das Ganze?
Ich war auf der Suche nach den richtigen Tracks und den perfekten Remixen. Zudem suchte ich nach handkuratierten Playlists. Eine Compilation mit 10 bis 30 Techno-Tracks ist genau das: eine von Menschen kuratierte Playlist, auf CD gepresst.

Erst später fiel mir ein weiterer, simpler Grund auf, warum ich meine Sammlung vervollständigen wollte: die langfristigen Kosten. Streaming ist schlichtweg teuer, wenn man über einen Zeitraum von zehn oder mehr Jahren rechnet. Ich höre elektronische Musik, seit ich 14 bin – das sind, Stand heute, 34 Jahre. Hätte ich mit 14 mit Spotify begonnen, würde ich bis heute dafür bezahlen. Ich kann und will nicht aufhören, meine Musik zu hören. Beim aktuellen Preis von Spotify Premium (knapp CHF 17.– pro Monat) wären das über CHF 6.500.– ohne Preiserhöhungen. Für diesen Betrag kann ich mir mehrere Sammlungen meiner Grössenordnung zusammenkaufen.
Zusammensetzung der Sammlung
Vom Genre her teilt sich die Sammlung in zwei Lager:
- 30 % Eurodance der 90er
- 70 % Underground Techno und Subgenres
Bei den Formaten ist von allem etwas dabei:
- 15 % Maxi-CDs
- 50 % Alben
- 35 % Compilations und Mix-CDs

Das Maxi-CD-Format kam erst in den letzten drei Jahren dazu. Einige meiner liebsten Producer haben leider nie all ihre Tracks auf einem Album oder einer Compilation veröffentlicht – somit blieb nur der Weg über die Maxi.
Wo kaufe ich meine CDs?
Ich habe recht schnell gelernt, wo ich keine CDs kaufe. Flohmärkte, Secondhand-Läden oder das lokale Portal Ricardo hier in der Schweiz waren grösstenteils Reinfälle. Die CDs waren häufig zerkratzt, die Inlays in bescheidenem Zustand und die Preise für die gebotene Qualität absurd.
Primär habe ich meine CDs über discogs.com bezogen. Discogs bietet einen Marktplatz für analoge Musikmedien – ein hochspezialisiertes eBay für Sammler und Liebhaber. Der Handel ist dabei nur ein Teil, denn Discogs ist gleichzeitig die weltweit grösste Datenbank für Tonträger.
Verkäufer müssen dort jedes Medium vor dem Verkauf bewerten. Die Einstufungen ähneln denen anderer Sammlerstücke. Damit konnte ich gezielt nach CDs im NM-Zustand (Near Mint) suchen. Zerkratzte Discs oder „zerkaute“ Inlays möchte ich nicht in meiner Sammlung haben.
Digitalisierung und Aufhübschen
Sobald eine neue CD bei mir eintrifft, durchläuft sie einen kleinen Prozess. Zuerst wird sie digitalisiert. Da ich ausschliesslich elektronische Musik höre und stramm auf die 50 zugehe, brauche ich keine abgedrehten audiophilen Formate. Digitalisiert wird im 192kb-MP3-Format und gut ist. Ein Cover-Foto hole ich mir in der Regel direkt von Discogs, anschliessend wird alles ordentlich auf der Festplatte einsortiert.
Neue Alben und Compilations wandern danach als MP3 auf mein Handy und den USB-Stick im Auto. So kann ich genau dort Musik hören, wo ich es möchte.

Bei den meisten CDs tausche ich zudem das Jewel-Case gegen ein neues aus, damit alles frisch aussieht. Zum Schluss kommen die CDs in eine Schutzhülle aus Kunststoff, damit die neuen Cases nicht zerkratzen. Es ist ein sehr erhebendes Gefühl, eine CD, die Mitte der 90er gepresst wurde, heute in nahezu neuwertigem Zustand zu bewundern.

Preisentwicklung der letzten 10 Jahre
Als ich vor zehn Jahren anfing, wurden alte CDs regelrecht verramscht. Die Preise waren durch die Bank niedrig und die Verfügbarkeit extrem hoch. Das hat sich inzwischen geändert.
Die Verfügbarkeit von Alben und Compilations in sehr gutem (VG+) oder hervorragendem Zustand (NM) ist deutlich zurückgegangen. Einige meiner frühen Käufe, wie die Life Is A Remix Compilation oder das Veni Vidi Vici Album, haben sich im Preis vervielfacht. Andere, wie die It Came From Outer Space III Compilation, sind in hervorragendem Zustand kaum noch zu finden – und wenn, dann zu Preisen jenseits der CHF 100.–.

Trotz allem sind die Preise für CDs immer noch niedriger als bei Vinyl. Ich hoffe, das bleibt so. Es gibt leider genug Beispiele aus anderen Hobbys, bei denen Social-Media-Hypes die Preise in absurde Höhen getrieben haben.
Sammlung vollständig – was nun?
Jetzt, wo die Sammlung komplett ist, ändert sich eigentlich gar nicht viel. Ich höre die Musik weiterhin in digitalisierter Form. Aber ich habe nun endlich genau die Auswahl, die ich mir immer gewünscht habe, und keine Sorge, dass mir langweilig wird. Ein gutes Album bleibt ein gutes Album – dasselbe gilt für Compilations.
Es gibt noch vier CDs, die ich gerne gegen besser erhaltene Exemplare austauschen würde, aber damit habe ich keine Eile. Das ist ein Projekt für die dunkle Jahreszeit.
Vereinzelt wird es sicher noch Spontankäufe geben, basierend auf meinen Aufzeichnungen der Steve Mason Experience Show (10 Jahre Musikarchiv Steve Mason Experience). Aber das werden vielleicht noch ein bis zwei CDs pro Jahr sein. Mir bleibt jetzt mehr Zeit zum eigentlichen Musikhören – und darauf freue ich mich am meisten.